Montag, 24. August 2015

Bautagebuch

Bei den Pavillons sind die Schweißarbeiten der Dachkonstruktion abgeschlossen und die Eisenteile schon gestrichen. Der nächste Handwerker für die Dachdeckung steht schon in den Startlöchern und ganz zum Schluss wird, wie in Haiti Tradition, noch eine Schilfstrohabdeckung aufgelegt. Dazu muss der richtige Zeitpunkt zur Ernte des Schilfs abgewartet werden.

Beim Mobilar sieht es ebenfalls sehr gut aus, der Schreiner arbeitet langsam aber sehr genau. Die Stühlchen sind schon in verschiedenen Farben gestrichen und warten auch auf den nächsten Handwerker, der das Geflecht aufbringt.





Sonntag, 2. August 2015

Haitianer unerwünscht....

Zehntausenden Menschen droht Abschiebung aus der DomRep. Rassismus gegen schon seit Jahren dort lebende Haitianer brandet auf.
Ein sehr interessanter Artikel zum Thema von Klaus Ehringfeld im Weser-Kurier.
Hier der Link dazu:http://www.weser-kurier.de/Haitianer-unerwuenscht


Mittwoch, 29. Juli 2015

Bautagebuch vom Juli

Außenmauer Verwaltungsgebäude
Pavillon 1 von 3
Nachdem unsere Baustelle einige Wochen ruhen musste, da wegen der sehr lange andauernden Regenzeit die Flüsse so angeschwollen waren, dass keinerlei Material aus Port-au-Prince angeliefert werden konnte, geht es nun im Sauseschritt weiter voran. In den letzten Wochen wurden große Fortschritte gemacht. Beim Verwalterhaus ist das Erdgeschoss in Arbeit. Die drei Kindergarten-Pavillons sind im Rohbau fast fertig. Der mit dem Bau der kleinen Stühle, Tische und der Regale beauftragte Schreiner ist täglich vor Ort, da er die Möbel für seine Verhältnisse komfortabel in unserem Container-Depot fertigen darf. Dort ist derzeit noch ein Generator zur Verfügung und die fertigen Möbel können ohne Transportschwierigkeiten gleich vor Ort gelagert werden. C. Rébert-Graumann
Schreiner beim Möbelbau



Montag, 27. Juli 2015

Nachrichten aus Haiti

Mais kurz vor der Ernte
Eltern beim monatl. Arbeitseinsatz
Nach neusten Informationen aus Haiti ist die Regenzeit endlich zu Ende. Das Gemüse wächst und der Mais wurde sogar schon geerntet. Die Körner werden getrocknet und anschließend gelagert. Die Hälfte wird als Saatgut verwendet, die andere Hälfte zur Ernährung für die Kinder, die ab Oktober in den Kindergarten gehen werden. Bohnen und Reis werden demnächst reif und es wird ebenso damit verfahren. Die Hälfte wird grundsätzlich als Saatgut zur Seite getan.  
Stoffausgabe für Schuluniformen
Täglich kommen Eltern, die ihren monatlichen Arbeitstag leisten müssen. Zum Erkennen tragen sie am Arbeitstag Leuchtwesten, die sie abends wieder abgeben müssen. Im Juni und Juli wurden nach dem Arbeitseinsatz die Stoffe für die Schuluniformen ausgeteilt. Jedes Kind bekommt zwei Uniformen, bzw. den Stoff dafür. Die Eltern erhalten eine Vorlage, wie die Uniform auszusehen hat, die dann in eigener Regie, oder im Tauschgeschäft genäht wird. Bisher sind alle Eltern sehr engagiert bei der Arbeit, sie freuen sich  aber dann über eine Tasse Kaffee mit viel Zucker, wenn der Arbeitstag endet. Eine kleine Geste unseres zukünftigen Verwalters Guerino, da sich kaum jemand des Luxus eines Kaffees mit Zucker leisten kann.
Cornelia Rébert-Graumann


Donnerstag, 25. Juni 2015

vorerst letzter Bericht aus Haiti

Auch heute möchte ich Euch wieder Haiti pur aus Roswithas Sicht präsentieren. Bewunderung für ihren Mut, dass sie dieses Mal alleine die Reise unternommen hat und enorm viel erledigt und erreicht hat.
Hallo, meine letzte Mail aus Haiti, ich hoffe doch sehr, dass ich morgen nach Hause reisen darf.
Haben ja die 3 haitianischen Dauerthemen, Stau, keinen Strom und jeden Tag Regen und Gewitter. Dadurch dass so wenig Strom ist, kann man auch oftmals niemanden anrufen, da die Telefone nicht aufgeladen sind. Auch Guivens und Guerino, egal wo wir sind, packen immer zuerst das Telefon und das Ladegerät aus und zapfen Strom.
Bei meinen wunderbaren Hausleuten, brach heute nacht das Batteriesystem zusammen und um 4 Uhr morgens startete der Generator. Conny weiß es, man steht direkt aufrecht im Bett….
Der Vorteil ist, man kann schon viel morgens erledigen.
Es war ein Riesenprogramm. Treffen um 7 Uhr mit Rachelle, Übergabe der Patenschaften, nochmals Planung Treffen Freitag in Bellanger zum Schulabschluss. Warteten auf die Öffnung vor dem Stoffgeschäft, konnten uns noch recht nett und wirklich sehr ‚tief‘ über Haiti und die Situation unterhalten. Rachelle ist eine wunderbare junge Frau geworden und wird sicherlich ihren Weg machen. Hoffentlich fällt sie nicht auf einen ‚schlechten Mann‘ rein. Kaufte ca. 10 mtr. mehr pro Farbe und Artikel, da ich dann den ganzen noch eingepackten Ballen Stoff bekam und wir nicht das Abmessen anfangen mussten. Also wir haben nun je 2 Ballen blau und rot kariert für die Oberteile, je 1 x rot und 1 x blau Ballen für die Shorts. Sowie 17 onen für die 100 Stofftaschen. Hier rechnet man ja in Onen und ich machte Guerino aus einer Schnur ein Muster der Länge, damit er es einfacher verteilen kann. Suche in anderen Geschäften nach dem Gummi für die Shorts, wurde bis auf 10 onen fündig, die muss irgendwo Guerino auf dem Markt kaufen. Danach ins Farbengeschäft. Hatte von unseren beiden Ingineuren eine lange Liste. 3 verschiedene Farben für die Kindergarten Pavillons, 4 Farben für die Holzstühle, sowie Grundierfarben in verschiedenen Farben, weiß Farbe, Pinseln……Mein Auto war danach bis unter die Decke voll und die Farben sind ja extrem schwer. Jetzt nochmals Schneiderin, brachte den blauen Stoff für das Muster der Buben, sowie den Stoff für die Taschen, zahlte alles gleich. Benötigen 100 Kopien der Kinderakten, Kopien der Uniform, des Reglements, noch einiges für den Start des Kindergartens. Es gibt in der Stadt einen großen Xerox Kopie Shop. Klappt alles gut. Kaufe die 4. Matratze und nochmals die Schaumgummi Matratzen für 1 Klasse Kindergarten. Das Geschäft weigert sich aber die Auslieferung zu Guivens zu machen, wohnt ja am Ende der Welt, dort wo die ganzen Erdbebenopfer angesiedelt wurden, in Caanan. Können alles bei Herrn Olfs anliefern, also er wird dann die Matratzen mit den Solarpanels verladen. Klappt gut.
Fahre ganz weit runter Delmas (schon wilde Viertel) und kaufe dort nochmals 3 Regale für die Depots im Kindergarten. Aber dieses Mal nicht aufgebaut. Binden mit Schnüren die Seitenteile auf der Ladefläche fest, müssen die 3 sehr schweren Kartons mit den Einlegeböden auf die Ladefläche legen. Meine beiden Ingenieure werden etwas später zum vereinbarten Treffpunkt kommen, da Guivens den ganzen Morgen auf Behörden ist, um die Versicherung für seinen LKW zu zahlen. Ich nütze die Zeit und fahre noch zu BND, die ja auch ganz unten in der Stadt sind, deponiere dort einen Karton mit allen Sachen, die ich nicht im Auto lassen will, wenn es morgen in die Werkstatt kommt. Wie Verbandskasten, Luftpumpe, Werkzeug…..verabschiede ich und bin wirklich dankbar, dass wir dort arbeiten durften.
Fahre nun zum Treffpunkt mit G/G an der Flughafenstrasse, musste in einer Kurve langsamer fahren und sehe im Rückspiegel, wie einer einen Karton mit den Einlegeböden mir vom Pick up klaut und wegrennt. Der Fahrer von einem parkenden TapTap, zeigt in die Richtung, ich drehe wütend auf der Straße um und sehe vorne meinen Karton zwischen Autos stehen und auf der ca. 2 mtr. Straßen Anhöhe lungern mindestens 15 Typen rum. Halte, mache mein Fenster runter – ich weiß im Nachhinein, mit meinem vollgepackten Auto hätte ich das nicht machen sollen. Schreie raus ‚ladet mir meinen Karton auf‘. Zwei kommen langsam runter und meinen ‚steig doch aus und hol ihn Dir‘. Das geht ganz kurz hin und her und ich sage ganz laut, BITTE, BITTE lade ihn auf. Er meint, ok mit Bitte ist das was anderes. Sie schmeißen mir den nun schon beschädigten Karten auf die Ladefläche. Fahre wie der Teufel und habe Panik, dass mir an den Kreuzungen wieder wer drauf springt. Am Treffpunkt kleben wir wieder den Karton zu und laden schon mal in Guivens Auto um. Meine beiden Männer sind voller Bewunderung für mich!!!!
Wieder ein Geschäft, wo wir Eisenbleche, Stange, Regenrinne, Schrauben usw kaufen. Geht eine Ewigkeit.
Wir reklamieren, dass der letztes Jahr gekaufte Zement-Sealer steinhart ist, war für das Reservoir innen gedacht. G/G haben leider die Dosen in Bangange vergessen. Langes Palaver hin und her, bekommen trotzdem 2 neue mit. Alle Bestellungen muss morgen der LKW von Guivens abholen.
Noch in einem anderem Geschäft 7 Tonnen Stahl, wieder in einem anderen Geschäft bestellen wir 1000 Sack Zement und die Fliesen für den Kindergarten. Letzte Aktion in einer Druckerei die Quittungsbücher für den Kindergarten bestellen. Sie werden in hellblauen Karton sein und in 2 Wochen fertig. Hatten als Logo ähnlich wie Tonel Pa Nou gewählt, die konnten es aber nicht vom Stempel übernehmen, wird nun Benson per Computer kreieren und hin mailen. Packen nun den Pickup von Guivens, decken und schnüren alles zu. Verabschieden uns mit Wehmut, haben, viel viel erreicht und gemacht. Wenn nun das Wetter mal besser wird, geht die Baustelle wieder weiter. Fahre auf der breiten Flughafenstrasse hinter einem grossen Pick up. Ist ja Hauptverkehrszeit, ich höre Polizeisirenen, bedeutet ja nichts in Haiti, die machen die auch an, wenn Sie ein Cola kaufen gehen. Das Polizeiauto prescht an mir rechts vorbei und stoppen amerikanisch quer das Auto, was genau vor dem großen Pick up fährt. Wir beide Vollbremsung und ich fahre rechts vorbei, sehe wie die Polizei schon 2 mit erhobenen Händen aus dem Auto geholt hat und die anderen auch gerade aus dem Auto gezerrt werden. Die Polizei mit Maschinengewehren usw. schwerst bewaffnet, Typen die nicht fackeln. Bereue, dass ich kein Foto machen kann, denke ist aber besser doch schnell weiterzufahren. Welch ein verrückter Tag.
Treffe mich dann noch mit Farah, war im Bildungsministerium und die haben bestätigt, dass wir alles in Hinche machen müssen. Gehen die Bewerbungen durch. Wir nehmen uns Zeit, uns mal richtig zu unterhalten. Nicht immer nur, ja, ja ich komme. Besprechen alles ganz ehrlich und offen, auch ihre private Situation, dass der Mann schon seit Jahren arbeitslos ist. Einfach wie man mit seiner Tochter oder Freundin sprechen würde. Fixen die Bedingungen für Ihren Arbeitsvertrag, die ich sehr fair finde und werde es Euch am Wochenende zur Entscheidung vorstellen.
Habe noch langes Gespräch mit unserer Rechtsanwältin, hatte einen Krach mit ihr vor 2 Tagen, auch alles mündlich. Ist aber wieder ok – wie sagt man so schön ‚alles wird gut‘. So, jetzt wird gepackt und ich freue mich auf zu Hause. Hoffentlich klappt das morgen mit dem Flieger und den Anschlüssen. Nochmals 1000 und 1000 Grüße an Euch von der großen haitianischen Familie hier. 
Tschau
Roswitha