Donnerstag, 5. März 2015

Mittwoch 5.3.2015


Händlerinnen an der Straße
Heute war hoffentlich der einzige Tag, der so unbefriedigend zu Ende ging.
Morgens mussten wir ca. 30 Min in der Schlange warten um überhaupt in die Bank zu kommen. Anschließend in der Bank wartete ich nochmals 30 Min um einen zerrissenen 1000-Gourdes-Geldschein zu wechseln. Roswitha musste ebenfalls lange warten bis sie an der Reihe war. Im Dezember hatten wir acht vermeintlich gestohlene Schecks sperren lassen. Nur teilte uns die Bank damals nicht mit, dass sie nicht nur die Schecks sperrt sondern das ganze Konto lahm legt. Heute wollten wir die ausstehenden Kontoauszüge seit Oktober abholen sowie das Konto wieder entsperren lassen. Das sollte aber nicht so einfach sein. Erst wenn eine Einverständniserklärung abgegeben werde, könne das Konto reaktiviert werden. Wir hätten aber die Möglichkeit das Geld bar abzuheben bzw. ein neues Konto zu eröffnen. Das benötigte Bargeld um Baumaßnahmen, Material, Lehrergehälter für etliche Monate zu bezahlen beläuft sich auf mehrere Tausend USD. Damit auf die Straße zu gehen wäre mehr als unverantwortlich, das wäre sogar lebensgefährlich. Ein neues Konto zu eröffnen und Scheckhefte zu bestellen würde auch wieder mehrere Wochen dauern. Auch keine gute Idee. Wir wollten uns beraten, wie wir vorgehen könnten, da der nächste Termin auf dem Immigrations-Amt um 10.00 Uhr war, hatten wir es auch noch eilig und wollten am Nachmittag wieder bei der Bank vorbei kommen. Auf dem Immigrations-Amt mussten wir uns platzieren für eine „petite minute“, aus der dann 2,5 Stunden wurden in denen wir vollkommen vergessen der Dinge harrten. Keiner fühlte sich mehr für uns zuständig und ab 12 Uhr schon war auch mit dem Handy niemand mehr zu erreichen. Um halb ein Uhr verließen wir total entnervt das Amt. Ich fühlte mich um 20 Jahre zurück versetzt als ich mit meinen zwei KIndern im Schlepptau täglich dort auf deren Pässe wartete und immer wieder auf den nächsten Tag vertröstet wurde. Dabei sind jede Menge dort Beschäftige anwesend. Jedoch nur der kleinste Teil arbeitet tatsächlich. Dieser wahnsinnige Puffer an Bürokratie verhindert sicher auch eine Besserung der Verhältnisse in Haiti. Welcher Investor hat schon Lust sich solcher Behörden- Willkür und Unsicherheit auszusetzen. Aber auch in der Bank konnte ich die Tendenz feststellen, drei von 10 Schaltern besetzt aber jede Menge Personal im Schalterraum nur abwartend rumstehen, auf Kosten der Stunden lang wartenden Menschen, die wahrscheinlich für jeden Bankbesuch einen Urlaubstag nehmen müssen.

Beim Warten vor der Bank kamen wir mit zwei „marchandes“ ins Gespräch. Die beiden Frauen betreiben einen Obst-Gemüse-Wagen direkt an der Straße. Diese kleinen Karren sind seit einigen Monaten in Petionville in Betrieb. Vom Staat zum Kauf angeboten kosten sie etwa 2000 USD oder jede Woche eine Miete von 1000 Gourdes was etwa 25 USD entspricht. In einem Land, in dem viele Menschen nicht mal einen Dollar pro Tag verdienen ist dies ein stolzer Mietpreis. 
Nachmittags trafen wir uns mit den Ingenieuren unseres Projektes um das weitere Vorgehen zu besprechen.
Auf dem Rückweg zum Montagne Noire holten wir noch einige der deponierten Kisten bei Fam. Laplanche ab und erfuhren dort von der Tochter des Hauses, dass in einem Krankenhaus in Cité Soleil, in dem deren Ehemann als Arzt tätig ist, die Chimären ( Schergen des ehemaligen Präsidenten Aristide) dort immer noch ihr Unwesen treiben und die Ärzte und Angestellten an ihrer Arbeit hindern, wenn diese sich nicht an Schutzgeldzahlungen beteiligen sollten. Die Ärzte verzichten diesen Monat auf ihr Gehalt um der unglaublichen Forderung nachzugeben. Sich an die Polizei zu wenden hat wohl überhaupt keinen Sinn. Alle haben Angst, dass womöglich noch Schlimmeres passiert und die Patienten im schlimmsten Slum der Stadt hätten dann womöglich gar keine Anlaufstelle mehr.

Für morgen sind Manifestationen angesagt, einer der Demonstrationszüge soll sich ab 9.00 Uhr von der Stadt hinauf nach Petionville bewegen. Wir müssen morgen wieder runter und hoffen sehr, dass wir am Abend den Termin mit dem Solarplaner ohne Probleme wahrnehmen können. Unser Terminplan ist inzwischen total über den Haufen geworfen. Heute haben wir etwa 0,0% unserer für heute geplanten Vorhaben erfolgreich zu Ende gebracht. Frust….....

Cornelia Rébert-Graumann

Mittwoch, 4. März 2015

Haiti März 2015


Am Sonntag sortierten und kontrollierten wir, suchten entsprechende Koffer und Taschen um möglichst viel der gespendeten Spielsachen mit zu bekommen. Die Fluglinie unterstütze uns dieses Mal wieder indem wir jeweils ein zusätzliches Freigepäck einzuchecken durften. Am Ende waren alle Koffer und Kisten voll, die Waage zum kontrollieren kaputt, und wir in der Ungewissheit ob wohl alles seine Richtigkeit beim Gewicht hat. 
Am Montagmorgen fuhr uns Richard zum Flughafen, wir brachten unsere Massen von Gepäck zum Schalter. Der Angestellte der Fluglinie teilte uns schon gleich mit, dass wegen Schneesturm in New York der Abflug auf jeden Fall zwei Stunden später erfolgen würde. Zu unserem Gepäck meinte er nur, wenn man schon Freigepäck bekäme, sollte man wenigstens die Gewichtgrenze beachten. Wir drückten uns dann Stunden am Flughafen rum und warteten auf unseren Flug. Endlich mit über zwei Stunden Verspätung ging es in die Luft. Bei 5 Grad minus in New York nach acht Stunden Flug wieder runter. Der Weiterflug nach einer kurzen Nacht in einem anonymen Hotel in Flughafennähe war angenehm und wegen extremem Rückenwind eine Stunde kürzer als gewohnt. Unsere Gepäckstücke waren so gut mit Kabelbindern verschlossen, dass der haitianische Zollbeamte
ca. 150 kg Gepäck
kapitulierte und uns nach Durchleuchten der Koffer durchwinkte. Aus dem Flughafengebäude raus und eine Temperaturdifferenz von ca. 40 °C gegenüber dem Abflug in New York warf uns fast um. Der freundliche Fahrer von BND erwartete uns schon mit Rob Padbergs Auto und brachte uns zu unserem Auto. Das Verstauen der Gepäckstücke stellte sich als recht schwierig heraus. Aber selbst die Einkäufe brachten wir dann noch unter und können nun hier oben am Montagne Noire bei unseren Gastgebern Fam. von Boetticher unser wohlverdientes Bier trinken, bevor wir in ein paar Minuten ins Bett fallen werden. Für Donnerstag und Samstag sind Manifestationen gegen Martelly und für eine Senkung der Benzinpreise angesagt, ab Montag soll es im ganzen Land Streiks geben. Wir werden morgen so viel als möglich erledigen, Bankgeschäfte, Solarfirma, Rechtsanwalt um am Donnerstag möglichst nicht ganz in die Stadt hinunter zu müssen. Am Freitag fahren wir zum Plateau Central und hoffen, dass es dort politisch ruhiger sein wird. Mein Eindruck nach einem guten Jahr: Straßen wurden gebaut, andere, ehemals gut ausgebaute Straßen verdienen den Namen „Straße“ nicht mehr. Die Menschen werden immer mehr, die Autos werden immer mehr, die Müllberge abseits der Hauptverkehrsadern sind wie eh und je groß und stinkend Futterstellen für streunende Schweine, Ziegen und Hunde. Die an jeder Kreuzung oder Ampel wartenden Fensterputzer werden immer jünger und ihre Anzahl steigt stetig. Jeder scheint bemüht ein paar Gourdes zu verdienen um einen Teil zum Familieneinkommen beizutragen. Ich glaube, dass das Land immer mehr verarmt und kann hier in der Hauptstadt kaum Besserung erkennen. Derweil sind die Preise im gut besuchten Supermarkt in Petionville auf deutschem Niveau und höher. Ein Liter H-Milch kostet ca 2,40 Euro. Milch, Kaffee, Wasser, ein wenig Obst, ein Päckchen Spaghetti, je eine kleine Flasche Öl und Essig, ein paar Rollen Klopapier und vier Bier kostete uns über 60 USD. Dieser Unterschied, auf der einen Seite die Ärmsten mit weniger als 1 USD am Tag und auf der anderen Seite, die, die keine Probleme haben obige Preise zu bezahlen.

Ich möchte einfach nur weg hier aus der Hauptstadt und  freue mich auf die Reise zum Plateau Central, wo es weniger erbärmlich ist. Die Menschen zwar noch ärmer aber ein wenig mehr im Einklang mit der Natur sind.
Cornelia Rébert-Graumann

Sonntag, 22. Februar 2015

Bautagebuch

Ein paar neue Fotos aus Haiti.
Die Gitter zwischen den Containern sind angebracht. Das Wasserreservoir aus ausgehoben und verschalt. Mit Betonieren schon begonnen. Die Arbeiter bilden ein Kette für den Beton.






Dienstag, 17. Februar 2015

Medico berichtet über die Hilfeleistungen in Haiti

Medico stellte die  Dokumentation „Haitianische Erschütterungen“ ins Netz, in der  die Folgen der Internationalen Nothilfe in Haiti beschrieben werden.
http://www.medico.de/themen/nothilfe/dokumente/-haitianische-erschuetterungen-truegerische-hilfe/4736/
Endlich spricht eine Hilfsorganisation selbstkritisch darüber, was Haiti-Freunde schon lange befürchten und  besprechen.
Das große Versprechen der UNO, in Haiti werde alles besser, konnte bis heute nicht erfüllt werden. Nach wie vor sind drei Viertel der Haitianer ohne Arbeit, die Hälfte der Menschen muss von weniger als zwei Dollar am Tag leben.Tag für Tag sterben Kinder an den Folgen von Unterernährung.
Wie einfach wäre es gewesen, den Menschen das Geld direkt als Nothilfe zu übergeben und dem haitianischen Wirtschaftskreislauf zur Verfügung zu stellen. Wie viele Haitianer hätten sich ein Haus bauen können, wie viele kleine Betriebe hätten einen Arbeiter beschäftigen können, wie viele Kinder hätten zur Schule gehen können, weil ein Familienmitglied einen Verdienst hätte, wie viele Menschen wären vielleicht wieder aufs Dorf zurück gegangen und hätten sich ein Stück Land gekauft, wie viele Menschen hätten das System des bloßen Almosen-Empfangens hinter sich lassen können?
Meine „einfache“ Sicht der Dinge mag dem komplexen Vorgang nicht ganz gerecht werden, aber mir widerstrebt es gewaltig darüber hinweg zu sehen, dass in Haiti kaum Veränderung zum Guten erkennbar ist, aber Unsummen vom gespendeten  Geld nach USA, Kanada und auch nach Europa zurück geflossen sind anstatt den Haitianern als Hilfe zur Selbsthilfe zu dienen. Ich würde drauf wetten, dass etliche der 75% Arbeitslosen heute ein kleines Auskommen hätten, wenn sie das Geld in eigener Verantwortung hätten verwenden dürfen. Jedoch keine Chance, denn Nothilfe scheint international ein gigantisches Geschäftsmodell zu sein, das am profitabelsten für manche Hilfsorganisationen funktioniert, wenn die Hilfesuchenden nicht nach ihren Bedürfnissen gefragt werden.
Cornelia Rébert-Graumann

Montag, 16. Februar 2015

Rückgang der Pressefreiheit in Haiti.


Am Donnerstag den 12. Februar veröffentlichte die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) ihre Weltrangliste 2015 für Pressefreiheit. Leider wurde Haiti dabei im Vergleich zum Jahr 2014 von Platz 47 um sechs Plätze zurück gestuft nun auf Platz 53 von 180 Ländern. Zum ersten Mal seit dem Jahr 2004 wurde für Haiti wieder ein Rückgang der Pressefreiheit verzeichnet.
Ein Teil der Bewertung wird unter anderem über Missbrauchspunkte erstellt, welche die Intensität der Gewalt und Belästigung darstellen, denen Journalisten und Nachrichtenagenturen im Lauf des vergangenen Jahres ausgesetzt waren. Haiti wurde dabei mit einer Gesamtpunktzahl von 25,08 bewertet. 


Dazu schrieb ROG in seinem Bericht:
„Die haitianischen Medien neigen dazu, zwischen Regierungsbefürwortern- und Kritikern zu polarisieren, wobei letztere oft Schwierigkeiten erleben, Zugang zu den von der Regierung gehaltenen Informationen zu erhalten.
Die Regierung zeigte oft eine beunruhigende Feindseligkeit gegenüber ihren Kritikern und den Wunsch, unabhängige Medien zu knebeln. Am 8. April 2014, drohte der Nationale Telekommunikationsrat (CONATEL) bestimmte Radiosender zu sanktionieren, die systematisch falsche Informationen ausstrahlten, um die öffentliche Ordnung zu stören, Institutionen der Republik zu destabilisieren und die Integrität vieler Bürger anzugreifen.
Ein solches Einschüchterungsklima würde die Selbstzensur deutlich fördern und dadurch die Informationsfreiheit untergraben. Journalisten waren auch anderen Formen der Einschüchterung ausgesetzt, einschließlich der durch die Polizei, bei und während verschiedener Proteste.
Das Haitianische Recht sieht immer noch Freiheitsstrafen für Diffamierungen vor. Untersuchungen zur Ermordung von Journalisten seien unannehmbar langsam und Gegenstand von wiederholten Behinderungen, was zu einem störenden Niveau der Straflosigkeit führe.“

Noch schlimmer sieht es in der Dominikanischen Republik aus. Das Nachbarland Haitis liegt in diesem Index auf Platz 65, was aber immerhin eine Verbesserung um 5 Plätze im Vergleich zu 2014 bedeutet. Unverändert zum Vorjahr ist auf Platz 1 Finnland und auf dem letzten Platz Eritrea zu finden. 

Cornelia Rébert-Graumann
Die Rangliste komplett unter folgendem Link: http://index.rsf.org/#!/index-details